Von den praktischen Prüfungen im Sportbootbereich gibt es ganz unterschiedliche Berichte und Protokolle. Nach meinen eigenen Prüfungen muss ich gestehen, dass aus meiner Sicht die Ausbildung und die Einstellungen doch von den Erwartungen der Prüfungskommission abweichen. Ohne einen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit berichte ich hier meine persönlichen Erfahrungen und meine persönlichen Konsequenzen aus den praktischen Prüfungen SKS/SSS.
Prüfung SKS (Sportküstenschifferschein)
Der Sportküstenschifferschein (SKS) ist der amtliche Führerschein zum Führen von Yachten mit Antriebsmaschine und unter Segel in Küstengewässern (alle Meere bis 12 Seemeilen Abstand von der Festlandküste). Er ist vorgeschrieben zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten in den Küstengewässern.

Als Küstengewässer gilt der Bereich bis zu 12 Seemeilen im Abstand von der Festlandküste. Die Anforderungen in der praktischen Prüfung sind
- Rettungsmanöver unter Segel
- Grundlegende Segelkenntnisse (Wende, Halse, Beiliegen)
- An- und Ablegemanöver
Diese Manöver müssen spätestens im zweiten Versuch mit „ausreichend“ bewertet werden. Zusätzliche werden aus anderen Bereichen zusätzliche Fertigkeiten verlangt:
- Seemannschaft (Fertigkeiten)
Sicherheitseinweisung, Notrolle, Handhabung Lifebelt und Lifeline, Anwenden von Leinen beim An- oder Ablegen (Spring, Vor- und Achterleine, Leine auf Slip) - Seemannschaft (Manöver)
Mit Antriebsmaschine: Drehen und/oder Aufstoppen auf engem Raum, Vorbereitung der Yacht für das Ein- und Auslaufen, Durchführen eines Ankermanövers
Unter Segel: Segelsetzen/Segelbergen in Fahrt, Einreffen und/oder Ausreffen in Fahrt, Aufschießer fahren - Wetter
Ablesen der Wetterinstrumente Thermometer und Barometer, Beurteilen der Wetterlage am Ort und zum Zeitpunkt der Prüfung - Navigation
Bestimmung des Schiffsortes, Absetzen, Bestimmen und Umwandeln von Kursen, Arbeiten mit einem Empfänger für ein satellitengestütztes Funknavigationsverfahren, Arbeiten mit dem Steuerkompass oder Handpeilkompass - Technik
Kontrolle und Bedienung
Von den sonstigen Aufgaben werden höchsten zwei Aufgaben gestellt und mindestens eine muss mit „ausreichend“ bewertet werden.
Für meine SKS Prüfung hatte ich ganz klassisch einen Ausbildungtörn auf der Ostsee gebucht. Mir ging es ganz wesentlich um die Yachtführung. Denn beim SKS geht es nicht nur um das klassische Manöver fahren sondern man muss auch die Crew führen. Das ist sicher für die meisten eine echte Herausforderung und erst recht, wenn man schon lange allein oder zu zweit ganz automatisch unterwegs war.
Gerade das geforderte Rettungsmanöver mit der geforderten Q-Wende und einem Aufschießer bedarf bei einer Yacht zwischen 38 bis 43 Fuß einiges an Übung. Man kennt das Schiff ja nicht wirklich.
Meine Prüfung war hier noch etwas besonders. Die Crew kam mir einen Tag vor der Prüfung abhanden und ich musste die Prüfer bitten, die Prüfung nur mit meinem Ausbilder zu fahren. Man ließ sich darauf ein, verlangte aber von mir aber durchgehend Kommandos, auch wenn ich nicht am Ruder stand. Toll von den DSV Prüfern!
Leider ging auch noch während der Prüfung einiges an Material kaputt (Schotschekel der Fock verloren, Fenderleine gerissen). Da ich mich aber laut Prüfern stets souverän verhalten hatte, ließ man das als gute Seemannschaft durchgehen und ich bestand. Die wenigen Fragen zu Technik und Wetter waren wenig problematisch und so hatte ich trotz chaotischer Vorbereitung das Gefühl, es ausreichend geübt und gelernt zu haben.
Prüfung SSS (Sportseeschifferschein)
Der Sportseeschifferschein (SSS) ist der amtliche Führerschein zum Führen von Yachten mit Antriebsmaschine und unter Segel in küstennahen Seegewässern (alle Meere bis 30 Seemeilen sowie gesamte Ost- und Nordsee, Englischer Kanal, Bristolkanal, Irische und Schottische See, Mittelmeer und Schwarzes Meer). Er ist vorgeschrieben zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten in den küstennahen Seegewässern.
Die Anforderungen an die praktische Prüfung umfassen
- Seemannschaft
- Rettungsmannöver
- Notfall-Management
- Handhabung der Yacht
- Technik an Bord
- Navigation
- Papierseekarte/Nautische Literatur
- ECS
- Radar
- Wetterkunde
Es wird hier nicht zwischen Pflicht und sonstigen Anforderungen unterschieden. Alle Themen werden geprüft ohne einen zweiten Versuch. Wird die Leistung mit nicht „ausreichend“ bewertet, gilt die gesamte Prüfung als nicht bestanden.
Die erste Prüfung
Für meine SSS Prüfung habe ich mich für eine renommierte Yachtschule auf der Elbe entschieden. Eine Woche praktische Übungen mit Prüfung. Man muss die Crew und das Schiff kennenlernen und auch Notfallszenarien aktiv üben. Das ist eine intensive Erfahrung. Jeden Morgen geht es um 0900 BZ los. Ein paar Stunden theoretische Hintergründe, üben am Plotter und Radar, Klärung von Fragen.
Es folgt die Vorbereitung der Yacht. Kommandos fliegen durch die Luft und immer ein Blick, ob alles klariert ist. Immer wieder werden alle Handgriffe geübt. Es ist Ende Oktober und das Wetter ist unbeständig. Aus dem Hafen raus, über das Fahrwasser geht es auf den Übungsbereich. Das Segeln üben wir nicht. Für SSS Anwerber steht das nicht mehr zur Debatte. Wer das zu diesem Zeitpunkt nicht kann, lernt es bis zur Prüfung nicht. Wir verabschieden uns von dem Q-Wende Rettugsmanöver und konzentrieren uns auf das Reach-Tag-Reach Manöver. Für einige von uns ist das Manöver neu. In dieser Woche lernen wir es insbesondere unter Motor.
Die Yachtschule übt die Rettungsmanöver mit einem 60-80kg schweren Dummy. Wenn man den 14 mal hochgezogen hat, weiß man auch, was man getan hat. Aber das ganze ist realistischer, kostet aber auch sehr viel Zeit. Da es früh dunkel wird, sind wir zeitig wieder am Hafen und dann geht es nach einem kleinen Abendessen wieder ans Lernen. Spätestens um 2200 BZ reicht es jedem.
Für das ständige Übungen der Positionsbestimmung nutzen wir Mittags zum Essen auch die Gelegenheit zu Ankern. So kann man in Ruhe Radarpeilungen und Kompasspeilungen vornehmen.
Es gab zusätzlich viele vergangene Gedächtnisprotokolle von Prüfungen, so dass man sich etwas auf mögliche Anforderungen einstellen konnte und man hatte am Samstag Abend ein gutes Gefühl. Meine erste Prüfung Anfang November verlief für mich auch gut. Die beiden Prüfer folgten ziemlich genau einem festgelegtem Ablauf. Erstmal Hafenmanöver mit verschiedenen An- und Ablegemanövern, Auslaufen unter Berücksichtigung der entsprechenden Regeln, Vollkreis, Rettungsmanöver, Interviews zu Notfallszenarien, Technikkunde, Radar, Wetter. Dieses Programm galt für alle Bewerber gleichermaßen.
Leider ließ meine Konzentration zu schnell nach und durch einen Zeichenfehler in der Seekarte fiel ich bei der Prüfung durch. Es war aber auch nicht immer bei den Aufgaben zu streng. Wenn mal eine Antwort nicht kommen wollte, gab es auch mal eine kleine Trittleiter.
Für alle Aufgaben gibt es genau einen Versuch.
Die zweite Prüfung
Für meine Wiederholung melde ich mich wieder für eine ganze Woche an. Das müsste ich nicht und kostet zusätzlich Geld, aber es war mir wichtig, alle aus der Crew etwas genauer zu kennen und mit allen zu üben. Der Ablauf der Tage gestaltet sich, wie schon beschrieben.
Die Prüfung selbst verlief jedoch anders. Andere Prüfer, andere Vorgehensweise. Noch vor dem ersten Ablegemanöver wurden einige Notszenarien und Technikwissen in der Gruppe geprüft. Jeder bekam eine andere Aufgabe. Das heißt ja nicht, dass man nicht alles wissen muss. Es war ja Zufall, wer welche Frage gestellt bekommt. Insgesamt sparte das aber sehr viel Zeit und es war auch eine angenehme Atmosphäre.
Der Reihe nach wurde nun abgelegt und angelegt. Jedem wurde hier eine andere Situation gegeben. Im Gegenzug zu der Prüfung davor, waren die Prüfer weniger interessiert an unseren zur Perfektion getrimmten Sicherheitsvorkehrungen. Das wir uns selbst im Hafen beim Gang auf das Vorschiff stets mit dem Lifebelt sicherten schien den Prüfern der Wetterlage geschuldet etwas übertrieben. Das war uns aber egal. Bloß keine Nachlässigkeit.
Nach den Hafenmanövern hieß es Segel setzen und raus auf die Reede. Selbstverständlich dachten wir an den Motorkegel. Auch hier wiesen die erfahrenen Prüfer (beide älteres Semester mit viel Erfahrung) auf Zweckmäßigkeit hin. Wir einigten uns etwas belustigt darauf, dass wir den Kegel nicht jedesmal abhängen und wieder setzen.
Es kamen ein paar Fragen zum Ausweichen in einer Seeschifffahrtsstraße und dann sollte es endlich losgehen. Vorsegel raus, Motor aus. Und dann war der Wind fast weg. Der Prüfer ließ mich unter Segel Kurs auf eine Tonne nehmen. Ich näherte mich mit 4kn Wind einem raumschots Kurs, erste Halse. Oh je, das wird nix. Ich gebe Kommando für das Überholen der Fock zum Schmetterling und achte die ganze Zeit auf das Großsegel. Jetzt bloß keine Patenthalse, denn dann ist auch dieser Prüfungstag für mich gelaufen. Ich gebe Kommando zum Setzen eines Bullenstanders und der Prüfer bricht ab.
So viel Zeit haben die beiden dann doch nicht. Ich darf wieder auf einen Amwind-Kurs gehen und fahre das Rettungsmanöver.
So geht es dann der Reihe nach für alle weiter. Wir legen die Yacht dann gegen den Strom und gerade soviel Fahrt, dass wir unsere Position stabil halten. Jetzt geht es an die Peilungen. Hier zeigt sich wieder ein klarer Unterschied zu meiner ersten Prüfung. In meiner ersten Prüfung ging es schlicht um die Bestimmung der Position mit Hilfe des Radars. In dieser Prüfung merkt man, dass die Prüfer sehr viel praxisorientierter Denken.
Die erste Aufgabe ist die Feststellung einer möglichen Kollision. Identifiziere also auf dem Radar ein bewegtes Objekt und nutze dann EBL (Peillinie) und VRM (Entfernungsmarker) um eine mögliche Kollision festzustellen. Erkläre die Einstellungen am Radar und wie man die Fehlerquote feststellt. Zum Schluß die Feststellung der Position.
Nun soll es zurück zum Hafen gehen. Unter Segel und mit Motorunterstützung nimmt der Rudergänger Kurs durch das Fahrwasser. Den Prüfern kommt noch eine Idee und stellen fest, dass Motorkontrolllampen angehen. Was tun wir jetzt?
Ich fasse es mal kurz. Man ist mitten in einem stark befahrenen Fahrwasser. Vor einer Hafeneinfahrt und mit Strömung ist da nicht viel zu machen. Die Erwartung war, den Motor auszumachen, unter Segel zurück auf die Rede zu fahren und den Anker zu setzen. Dann hat man in Ruhe Zeit nach dem Motor zu schauen.
Auf diese Idee ist keine so schnell gekommen. Aber der Schiffsführer hat das ganze abgebrochen, weil die Revierzentrale schon nervös wurde.
Fazit
Die praktischen Prüfungen SKS/SSS waren allesamt sehr unterschiedlich und auch die Prüfer selbst gehen sehr unterschiedlich mit den Anforderungen um. Mit Beginn des SKS sollte man sich aber zunehmend damit beschäftigen, ein Schiff zu führen. Natürlich hat der Schiffsführer die letzte Verantwortung, aber man soll zeigen, dass man Situationen im Griff hat. Prüfer wollen dann keine Diskussion sondern Taten sehen. Auch bei kritischen Situationen gilt es, selbst Entscheidungen zu treffen. Der Prüfer darf Wünsche äußern, aber man selbst trifft Entscheidungen.
Man muss aber leider auch feststellen, dass Ausbilder auch an Ihre Grenzen kommen. Auf der einen Seite muss man Zeit zum Üben haben. Man kennt die Technik und das Schiff noch nicht. Das Treffen von Entscheidungen kann man nur bedingt üben. Auch muss man sich für eine Prüfung das Sprechen im Konjunktiv abgewöhnen. „Ich würde jetzt…“ oder „Man sollte…“ haben in der Prüfung nichts zu suchen. Man muss zeigen, dass man es machen kann.
Sowohl der SKS und ist recht der SSS sind anspruchsvoll. Aber ich kann für mich sagen, das hat sich sehr gelohnt.




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