TL;DR
Der Jahresbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen (BSU) ist immer wieder eine lehrreiche Lektüre. Er zeigt, dass die Untersuchungen berechtigt sind und die See sicherer machen. Die Empfehlungen geben immer auch Anlaß, das eigene Handeln zu überdenken und die Statistiken zeigen, dass die Sportschifffahrt gut aufpasst.
Einblick
Die ersten Seiten geben ein eindrucksvolles Bild ab, in welchen Bereichen die BSU tätig ist. Die Arbeitsweise der BSU und die konsequente Weiterleitung der Empfehlungen an die unterschiedlichen verantwortlichen Stellen gibt mir ein gutes Gefühl, dass jeder Vorfall auch immer zu Verbesserungen führen kann und führt.
Mein persönliches Augenmerk gilt dann aber in erster Linie den Statistiken.

Die Zahl der Seeunfälle (also die nach IMO-Code Unfälle mit erheblichen Folgen) ist stabil und eher hoch. Aber in den anderen Kategorien gibt es deutliche Verbesserungen.


Bei der Betrachtung der Schiffe unter deutscher Flagge zeigt sich der positive Trend, dass es 16 Seeunfälle weniger gab. Bei den Fischereifahrzeugen waren 7 Unfälle und damit wieder auf einem Niveau wie 2022.

Da bei einem Unfall in der Regel mehr Schiffe beteiligt sind, ist die nachfolgende Grafik nicht mit den vorherigen vergleichbar. Hier werden die Unfälle nach Schiffstyp dargestellt.
Sicherlich ist es interessant, dass es wieder die Stückgutfrachter auf den tragischen Platz 1 geschafft haben, aber mich interessieren insbesondere die Unfälle auf den Sportbooten und Traditionsschiffen. Es gibt hier später leider keine direkte Analyse der WSU (weniger schwerer Seeunfall) und SU (Seeunfall). Lediglich die Todeszahlen finden eine gesonderte Erwähnung.. Im Allgmeinen ergeben aber die Statistiken zu den Ursachen grundsätzlcih die Möglichkeit zu Rückschlüssen..
Bei den Unfallursachen wird zwischen den technischen und menschlichen Ursachen unterschieden, die gegenübergestellt werden.


Unter der Berücksichtigung der verschiedenen Meldungen der DGzRS oder auch in Fachzeitschriften, so unterstelle ich mal, dass auch die Unfälle bei Sportbooten sich oft auf Maschinenschaden und Steuerfehler zurückführen lassen. Gerade im Sportbootbereich wird sich auch bei den in den Statistiken nicht aufegführten Unfällen auch die falsche Beurteilung der Situation immer wieder dominieren. Glücklicherweise, so muss man es denke ich formulieren, fehlt uns allen bei Unfällen die Übung.

Jeder einzelne Unfall hat seine eigene Tragik. Die Tragik gipfelt in dem Verlust menschlichen Lebens. 2022 war für die Sportschifffahrt ein schweres Jahr, es sieht aber nach einem Ausreißer aus. Jeder Tote ist einer zuviel. Es wird im Jahresbericht noch ein Vergleich von Ursachen und der Anzahl der Verletzten/Toten gezogen. Es dominieren hier die Ursachen menschlichen Versagens und insbesondere in der Berufsschifffahrt durch unzureichenden Arbeitsschutz.
Der Jahresbericht ist immer wieder interessant und insbesondere die Lessons Learned Dokumente bei Unfällen in der Sportschifffahrt kann ich nur jedem empfehlen. Die für mich wichtigste Erkenntnis ist, dass es sich immer wieder lohnt, einfach mögliche Unfallszenarien zu üben. Das muss das Urlaubsvergnügen ja nicht schmälern. Man kann das auch als kleines Abenteuer und Challenge verstehen. Wie in einer Prüfungssituation kann man ja einfach etwas konstruieren und es in Ruhe durchspielen. Die nächste Erkenntnis ist die Vermeidung. Auch bei vermeintlich guten Wetter sollte bei Aktivitäten auf dem Vorschiff eine ausreichende Sicherung durch Rettungsweste und Lifebelt erfolgen. Das MOB-Manöver mag in einer Übung immer funktionieren, aber in der Realität ist es für alles eine unfassbare Herausforderung.
In diesem Sinne allen da draußen „Gute Fahrt“ und passt auf Euch und die anderen auf. Ebenso ein großer Dank an die Seenotretter der DGzRS und alle, die sich bei jedem Unfall selbstlos für jeden aus See einsetzen.



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