Vom 28. – 31.08. wollte ich Interssierten einen Gezeitentörn anbieten. Immer wieder kommt mal die Frage, wie das eigentlich so ist, wenn man nicht nur mit dem Wetter, sondern auch mit den Gezeiten planen muss. Gesagt, geplant.
Wunschziel ist Helgoland, aber das wird schon sportlich. Aufgrund von Dienstzeiten und Tide können wir erst am 28.08.2025 um 16:29 los. HW Emden und nehmen bei 4bf und ablaufendem Wasser Kurs auf Borkum.
Die Wettervorhersage ist für unseren Start nicht optimal. Nach der Knock haben wir den Wind ziemlich genau von vorn und um eine gute Kreuz zu fahren ist ziemlich viel los. Kurze Besprechung: Wenn wir nach Helgoland wollen, so müssen wir uns um. ca. 2100 vor Borkum entscheiden, eine Nachtfahrt zu machen. Wir sind leider nur zu dritt an Bord und alles haben einen Arbeitstag hinter sich. Wir legen uns noch nicht fest.
Aus den Bordwetterkarten ergab sich eine Großwetterlage mit einer ausgeprägt Okklusion aus dem Tief des Hurricans Ex-Erin im Nordwesten zwischen Island und England und einem Tief über England. Es sollten sich Gewitter über den Niederlanden entladen, aber für den Dollart sah es 2 Tage zuvor nicht so schlecht aus. Am 28. stellte sich schon heraus, dass alles etwas schneller ging. Und auf der Höhe Eemshaven hatte uns das ganz Geschehen auch schon eingeholt. Die Kaltfront aus dem Tief über England war schneller als vermutet und in kurzer Zeit wurde die Sicht sehr schlecht, es regnet und das Gewitter aus den Niederlanden drückte sich auch über den Dollart.
Die Maschine lief ja schon und viel Segelfläche hatten wir nicht. Da die Blitze sich auch auf dem Wasser entluden, waren wir entsprechend vorsichtig. Es nützt ja nichts. Ruhe bewahren, aufmerksam sein, Finger weg von metallischen Gegenständen.
Ich gebe zu, so schnell hatte ich trotz des Wolkenbildes nicht damit gerechnet. Und so hatte ich zwar die richtige Oberbekleidung aber leider die falsche Hose und Schuhe. Nach dem Wetterdurchzug werde mich mal trockenlegen.


Es dauerte auch nicht so lange. Mit trockener Kleidung rufe ich nochmal Wetterdaten ab, aber insgesamt sind wir uns einig, dass es in der Nacht durchaus nochmal ungemütlich wird und so verlockend die Idee ist, sich mit wieder auflaufendem Wasser nach Norderney spülen zu lassen, entscheiden wir uns für eine Nacht in Borkum. Bei Dämmerung und mit dem letzten Katermaran kommen wir in Borkum an und gönnen uns ein frisches Gulasch.
Wir genießen den Abend und gehen, wissend, dass wir früh um 5 aufstehen müssen, in die Koje. Wir wollen am nächsten Tag noch etwas ablaufenden Strom mitnehmen, der dann kentert uns nach Norderney schiebt. Die Wettervorhersage sieht schon besser aus. Mit dem Vorsatz „Morgen wird klasse“ schlafen wir ein.
Früh raus, Kaffee kochen, zwei Tassen trinken, nochmal Kaffee kochen, Frühstück gibt es unterwegs.
Mit den ersten Offshore-Versorgern fahren wir raus. Segel setzen wir direkt im Reff 1 im Borkumer Hafen, fahren aber unter Maschine bis zur Fischerbalje. Der Strom packt uns, der Wind steht gut und so geht es Richtung Riffgat.
Tatsächlich verwöhnt uns heute das Wetter. Mit Wind aus S können wir auf ziemlich direkten Weg Richtung Dove-Tief nordöstlich von Norderney. Als der Strom kentert können wir sehr nach an Juist vorbei und sehen das schöne Strandhotel. Trotz der Nähe zur Insel machen wir mit dem Strom zwischen 8 und 9 kn. Und wir haben reichlich Spaß.
Es werden über Funk Gewitterböen bis 8bf angekündigt und so gehen wir um 0900 ins 2. Reff. Der Fahrt macht das nicht viel aus. Wir halten etwas weiter Richtung NO vor, um in einem ausgiebigen Bogen auf das Fahrwasser des Dove-Tiefs einzufahren.
Im Fahrwasser ist das Baggerschiff Thor ist unterwegs, um den Strand von Norderney aufzuspülen. Da halten wir uns frei und legen um 13:58 entspannt an.
Wir genießen den Tag auf Norderney, genießen ein gutes Essen und schlendern über die Promenaden.



Für den nächsten Tag meldet der Seewetterbericht Wind aus S mit 4 und später rechtdrehend auf SW. Böen von maximal 6 und Gewitterböen werden gemeldet. Wir wollen zurück nach Borkum und dann nach Emden. Der Wind kommt für uns daher eher ungünstig. Wir legen um 0700 bei klarem Wetter ab. Wir überlegen uns eine geschickte Kreuz und fahren zunächst in die Richtung des VTG TSS Terschelling. Wenn es gut läuft, können wir vielleicht auf einem direktem Weg Richtung Ems kreuzen.




Um uns herum sehen wir immer wieder ein paar Böenwalzen und wir schaffen es geschickt, dem ein oder anderen Schauer aus dem Weg zu gehen. Aber es geht erstmal bis um 1300 immer weiter raus auf die Nordsee. Land ist nicht mehr in Sicht. 6 Stunden liegen hinter uns, Zeit für etwas Versorgung der Crew und die entsprechende Backschaft.
Der Rest Richtung Borkum lässt uns wenig Zeit für Fotos. Der Wind frischt auf. Zum Teil ist die Sicht schlecht, so dass wir den Windpark Riffgat nicht sehen können.
Gegen 1800 legen wir in Borkum an und treffen die Gesine von Papenburg, eine Schmack, die von der Meyer Werft als Gesellenstück nachgebaut wurde. Eine Schmack ist ein zweimastiger Küstensegler mit flachem Boden und Gaffelrigg.
Unser Gast (eine ehmalige Schülerin) ist neugierig auf eine Nachtfahrt. Wir müssen alle am Sonntag wieder in Emden sein und wir besprechn in Ruhe, ob wir mit dem auflaufenden Wasser ab 2100 direkt wieder nach Emden losfahren. Eine schöne Übung für Leuchtfeuer und die Strecke ist uns grundsätzlich bekannt. Also etwas essen, etwas Ruhe und dann geht es los.
Wir planen in Ruhe die Sollkurse und schreiben uns die Peilobjekte heraus. Klar, es gibt einen Plotter und wir haben ein Tablet, aber jede Technik kann ausfallen und ein Plan B hat nie geschadet.
Im Fahrwasser der Fischerbalje kommen uns noch einige Spätankömmlinge entgegen und wir müssen bei den unbeleuchteten Backbordtonnen gut aufpassen und peilen dann die erste Backbordtonne auf der Ems Richtung Emden an. Es ist jetzt erstmal etwas weniger aufregend.
Das Quermarkenfeuer an der Knock zeigt uns an, dass es in den Endspurt geht. Die Leuchtfeuer sind hier etwas verwirrend. Reedetonnen, abzweigende Fahrwasser und das Fahrwasser Richtung Emden Port. Das erste Richtfeuer in der Ansteuerung zum Hafen kommt in Sicht. Wenn das Richtfeuer näher kommt taucht auch an Steuerbord das Richtfeuer für die Hafeneinfahrt auf. Auch ohne Technik ist die Ansteuerung gut zu meistern.
Um 0341 sind wir fest. Das war nochmal ein sehr lehrreicher Abschluß und wir sind sehr müde. Die Koje wartet und ein paar Stunden Ruhe sind gut. Danach klarieren wir auf und beenden damit diesen Törn.
Estimated reading time: 8 Minuten



Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.